Studie zum Dispozins: die ahnungslosen Deutschen

Die Zahlen machen hellhörig, betrifft es doch ein zentrales Thema wie die eigene Kontoführung: Laut einer aktuellen FORSA-Umfrage tappt fast die Hälfte der Deutschen im Dunkeln, was den Dispozins ihrer Bank anbelangt. Das größte Problem daran: Trotz Niedrigzins der Europäischen Zentralbank geben die Finanzinstitute das günstige Geld meist nicht an die Kunden weiter, sondern treiben mit Dispozinsen von bis zu 20 Prozent die Überziehungskosten in die Höhe.

Geringverdiener und junge Erwachsene besonders schlecht informiert

Bei der Studie, die vom Kreditvergleichsportal smava 2016 in Auftrag gegeben wurde, äußerten sich 1.000 deutsche Kreditnehmer zu Finanzfragen. Darin konnten 42 Prozent den Dispozins nicht beziffern. Vor allem junge Erwachsene: 53 Prozent der 18 bis 39-jährigen Befragten waren unwissend. In der Gruppe mit einem Niedrigeinkommen von weniger als 1.500 Euro betrug der Anteil 50 Prozent. Wie viele Deutsche aber ungewollt unnötig hohe Dispozinsen zahlen, lässt sich nicht ermitteln.

Die versteckte Gewinnquelle der Banken

Die Zahlen sind dennoch erschreckend. Denn der Dispozins liegt im Schnitt bei 11 Prozent oder höher. Der Dispozins wird von jeder Bank selbst festgelegt und ist nicht an den europäischen Leitzins gekoppelt. Verbraucherschützer befürchten schon lange, dass Banken ihre Kunden mangelhaft informieren, um Gewinne durch die Hintertür zu erzielen. Was aber ist ein Dispo überhaupt? Der Dispozins wird fällig, wenn ein Girokonto in den roten Zahlen steckt. Dann wird der Dispositionskredit der Bank aktiviert, in aller Regel geschieht das automatisch bei Kunden Bankkunden mit regelmäßigen Einnahmen.

Verbraucherschützer raten zur Umschuldung

Ein Rechenbeispiel belegt, was das einen Verbraucher kosten kann: Ist ein Nutzer sechs Monate mit 1.500 Euro im Dispo und zahlt 12 Prozent Dispozins, dann summiert sich die 15 Euro monatlich auf 90 Euro insgesamt. Anders bei einer Umschuldung, zu der Verbraucherschützer die Betroffenen raten: Ist das Konto überzogen, ist ein Kleinkredit meist lohnenswerter, um das Konto wieder in die schwarzen Zahlen zu bringen. „Je größer die Differenz beim Zinssatz zwischen dem Dispokredit und der Umschuldung, desto höher die Ersparnisse für den Kreditnehmer. Auch bei kleinen Summen lohnt es sich“, erklärt Timm Wege, Finanz- und Kreditexperte von smava. Der Prozess der Umschuldung gestaltet sich daneben viel unkomplizierter als gedacht, zum Beispiel durch einen Kreditvergleich. Würde der Kunde einen Kleinkredit von 1.500 Euro aufnehmen, würde er bei einer 36-monatigen Laufzeit nur 0,99 Prozent an Zinsen zahlen. Im Vergleich zum Dispozins wären das 61,10 Euro weniger.

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